Die Aufgaben von Nützlingen im Garten
Der Begriff „Nützling“ beschreibt Tiere oder andere Organismen, die aus Sicht des Menschen eine gewünschte Funktion erfüllen.
Einige Nützlinge können:
- Blattläuse oder andere Pflanzenschädlinge fressen
- bestimmte Schädlinge parasitieren
- Blüten bestäuben
- abgestorbenes Pflanzenmaterial zersetzen
- organisches Material in den Boden einarbeiten
- durch ihre Fraß- und Grabtätigkeit die Bodenstruktur beeinflussen
Dabei erfüllt nicht jedes Tier ausschließlich nützliche oder schädliche Funktionen. Die Einordnung hängt häufig von der jeweiligen Situation und der Anzahl der Tiere ab.
Lebensräume für Gartentiere schaffen
Unterschiedlich gestaltete Gartenbereiche können verschiedenen Tieren Nahrung, Schutz oder Möglichkeiten zur Fortpflanzung bieten.
Geeignete Maßnahmen können sein:
- verschiedene Blühzeiten von Frühjahr bis Herbst einplanen
- Pflanzen mit zugänglichen, pollen- oder nektarhaltigen Blüten auswählen
- verblühte Stauden und Gräser teilweise bis zum Frühjahr stehen lassen
- Laub in geeigneten Gartenbereichen liegen lassen
- Totholz, Steine oder offene Bodenstellen erhalten
- Gehölze, Hecken und Stauden kombinieren
- Wasserstellen standsicher aufstellen und regelmäßig reinigen
- Pflanzenschutzmaßnahmen nur gezielt und entsprechend den Anwendungsvorgaben durchführen
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt vom Garten, den gewünschten Tierarten und den örtlichen Bedingungen ab.
Die Balance des natürlichen Gleichgewichts
Um das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Tier zu fördern, sollten wir die empfindliche Balance zwischen Nützlingen und Schädlingen im Garten respektieren.
Anstatt sofort gegen Schädlinge vorzugehen, ist es sinnvoll, eine entspannte Herangehensweise zu wählen und auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verzichten. Diese können nicht nur Nützlinge töten, sondern auch das natürliche Gleichgewicht beeinträchtigen.
Darüber hinaus besteht das Risiko, dass Rückstände der Schutzmittel über die Nahrung aufgenommen werden, wenn sie auf Gemüsepflanzen oder Obstbäumen angewendet werden.
Nützlinge und Pflanzenschädlinge
Nützlinge können dazu beitragen, die Vermehrung bestimmter Pflanzenschädlinge zu begrenzen. Sie verhindern einen Befall jedoch nicht immer vollständig.
Geeignete Maßnahmen können sein:
- verschiedene Blühzeiten von Frühjahr bis Herbst einplanen
- Pflanzen mit zugänglichen, pollen- oder nektarhaltigen Blüten auswählen
- verblühte Stauden und Gräser teilweise bis zum Frühjahr stehen lassen
- Laub in geeigneten Gartenbereichen liegen lassen
- Totholz, Steine oder offene Bodenstellen erhalten
- Gehölze, Hecken und Stauden kombinieren
- Wasserstellen standsicher aufstellen und regelmäßig reinigen
- Pflanzenschutzmaßnahmen nur gezielt und entsprechend den Anwendungsvorgaben durchführen
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt vom Garten, den gewünschten Tierarten und den örtlichen Bedingungen ab.
Pflanzenschutzmittel richtig einsetzen
Pflanzenschutzmittel können auch Organismen treffen, die Du eigentlich schützen wolltest. Prüfe deshalb zunächst vorbeugende, mechanische oder biologische Möglichkeiten.
Falls ein Pflanzenschutzmittel erforderlich ist:
- verwende nur für den Haus- und Kleingarten zugelassene Mittel
- beachte das vorgesehene Anwendungsgebiet
- lies die Gebrauchsanweisung vollständig
- halte Aufwandmenge und Anwendungszeitpunkt ein
- beachte Hinweise zum Schutz von Bienen und anderen Tieren
- halte bei essbaren Kulturen die angegebene Wartezeit ein
- vermeide eine Anwendung auf geöffneten Blüten, sofern die Gebrauchsanweisung dies ausschließt
- lagere und entsorge das Produkt entsprechend den Herstellerangaben
Auch Mittel mit pflanzlichen oder natürlich vorkommenden Wirkstoffen sind nicht automatisch ungefährlich.
Welche Nützlinge kommen häufig im Garten vor?
Welche Arten tatsächlich auftreten, unterscheidet sich je nach Region, Garten und Jahreszeit. Zu den häufig beobachteten Gruppen gehören unter anderem Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen, Ohrwürmer, Schlupfwespen, Raubwanzen, Spinnen und Raubmilben.
Viele Marienkäferarten sowie deren Larven ernähren sich von Blattläusen. Andere Arten fressen beispielsweise Schildläuse, Spinnmilben oder Pilzbeläge.
Die Larven sehen deutlich anders aus als die ausgewachsenen Käfer. Je nach Art sind sie dunkel gefärbt und besitzen helle, gelbe oder orangefarbene Zeichnungen.
Nicht jeder Marienkäfer und nicht jede Marienkäferlarve ernährt sich von denselben Beutetieren. Eine genaue Bestimmung ist deshalb hilfreich.
Erwachsene Schwebfliegen besuchen häufig Blüten und ernähren sich je nach Art von Nektar und Pollen.
Die Larven verschiedener Schwebfliegenarten haben unterschiedliche Lebensweisen. Einige Arten ernähren sich räuberisch von Blattläusen oder anderen kleinen Insekten. Andere leben von abgestorbenem organischem Material oder besitzen abweichende Nahrungsspezialisierungen.
Schwebfliegen können durch ihre Färbung Wespen ähneln. Sie besitzen jedoch nur ein Flügelpaar und können nicht stechen.
Ohrwürmer sind überwiegend nachtaktiv und verstecken sich tagsüber beispielsweise unter Rinde, Steinen, Blumentöpfen oder in anderen Hohlräumen.
Sie sind Allesfresser. Zu ihrer Nahrung können Blattläuse, Milben, Insekteneier, abgestorbenes Pflanzenmaterial und weiche Pflanzenteile gehören.
Ohrwürmer können daher bei bestimmten Schädlingsarten hilfreich sein, aber gelegentlich auch an Früchten, Blüten oder jungen Pflanzenteilen fressen.
Die Larven einiger Florfliegenarten ernähren sich von kleinen, weichhäutigen Tieren wie Blattläusen, Thripsen, Spinnmilben oder jungen Schildläusen.
Erwachsene Florfliegen ernähren sich je nach Art beispielsweise von Nektar, Pollen oder Honigtau.
Florfliegenlarven sind auch als Nützlinge für den gezielten Einsatz erhältlich. Der Erfolg hängt von der Florfliegenart, dem vorhandenen Schädling und den Umgebungsbedingungen ab.
Schlupfwespen sind eine artenreiche Gruppe. Viele Arten entwickeln sich als Parasitoide in oder an anderen Insekten.
Dabei legt das Weibchen seine Eier je nach Art beispielsweise in Blattläuse, Mottenschildläuse, Motteneier oder andere Wirte. Die Larven entwickeln sich anschließend am oder im Wirt.
Schlupfwespen sind meist auf bestimmte Wirtsgruppen spezialisiert. Deshalb muss die ausgewählte Schlupfwespenart zum vorhandenen Schädling passen.
Die für den biologischen Pflanzenschutz angebotenen Arten sind für Menschen in der Regel harmlos.
Raubwanzen ernähren sich je nach Art von Thripsen, Mottenschildläusen, Blattläusen, Spinnmilben oder anderen kleinen Tieren.
Einige Arten werden insbesondere im Gewächshaus und bei Zimmerpflanzen gezielt eingesetzt. Die richtige Art muss passend zum Schädling und zu den Kulturbedingungen ausgewählt werden.
Raubmilben gehören zu den Spinnentieren. Abhängig von der Art können sie Spinnmilben, Thripslarven, Trauermückenlarven oder andere kleine Organismen erbeuten.
Raubmilben reagieren häufig empfindlich auf ungeeignete Temperaturen oder zu geringe Luftfeuchtigkeit. Beachte daher die Anwendungshinweise des jeweiligen Anbieters.
Nematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer. Bestimmte Arten werden gezielt gegen einzelne Schädlingslarven eingesetzt.
Je nach Nematodenart können sie beispielsweise gegen Larven von:
- Dickmaulrüsslern
- Trauermücken
- Gartenlaubkäfern
- Maulwurfsgrillen
- bestimmten Schmetterlingen
eingesetzt werden.
Nicht jede Nematodenart wirkt gegen jeden Schädling. Auch Bodentemperatur, Bodenfeuchtigkeit, Ausbringungszeitpunkt und Kultur müssen zur jeweiligen Art passen. Nematoden sollten entsprechend den Angaben des Herstellers gelagert und angewendet werden.
Gartenhelfer nach ihrer Funktion
Räuberische Arten
Räuberische Arten erbeuten andere Tiere. Dazu gehören beispielsweise:
Marienkäfer und deren Larven, Florfliegenlarven, einige Schwebfliegenlarven, Raubwanzen, Raubmilben, Spinnen, Laufkäfer
Welche Beutetiere gefressen werden, hängt von der jeweiligen Art und ihrem Entwicklungsstadium ab.
Parasitoide
Parasitoide entwickeln sich an oder in einem Wirt und führen dabei in der Regel zu dessen Tod.
Dazu gehören zahlreiche Schlupfwespenarten und bestimmte Raupenfliegen.
Bestäubende Tiere
Zu den Blütenbesuchern und Bestäubern gehören unter anderem:
Wildbienen, Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Käfer, weitere Fliegenarten
Nicht jeder Blütenbesucher bestäubt jede Pflanzenart gleichermaßen. Der Beitrag hängt unter anderem von Körperbau, Verhalten, Blütenform und Besuchshäufigkeit ab.
Zersetzer und Bodenorganismen
Abgestorbenes Pflanzenmaterial wird von zahlreichen Pilzen, Bakterien und Tieren zersetzt. Daran beteiligt sein können beispielsweise:
Regenwürmer, Springschwänze, Asseln, Tausendfüßer, Fliegen- und Käferlarven, bestimmte Schneckenarten
Diese Organismen tragen zur Zerkleinerung und zum Abbau organischen Materials bei.
Nützlinge gezielt einsetzen
Nützlinge können besonders in Gewächshäusern, Wintergärten und Innenräumen gezielt gegen bestimmte Schädlinge eingesetzt werden.
Im Freiland ist der Einsatz ebenfalls möglich, kann aber schwieriger sein, da die Tiere abwandern können und die Umgebungsbedingungen weniger kontrollierbar sind.
Vor dem Kauf solltest Du Folgendes prüfen:
- Schädling eindeutig bestimmen
- Befallsstärke kontrollieren
- geeignete Nützlingsart auswählen
- erforderliche Temperatur beachten
- benötigte Luft- oder Bodenfeuchtigkeit einhalten
- Liefertermin und sofortige Ausbringung einplanen
- frühere Pflanzenschutzmittelanwendungen berücksichtigen
- Anwendungshinweise des Anbieters beachten
Viele Nützlinge wirken am besten bei einem beginnenden Befall. Bei sehr starkem Befall kann ihre Wirkung nicht ausreichen.
Beispiele für den gezielten Einsatz von Nützlingen im Garten
Gegen Mottenschildläuse
Je nach Kultur und Mottenschildlausart kommen beispielsweise bestimmte Schlupfwespen oder Raubwanzen infrage.
Gegen Spinnmilben
Geeignete Raubmilbenarten können gegen Spinnmilben eingesetzt werden. Auch Florfliegenlarven fressen unter bestimmten Bedingungen Spinnmilben.
Gegen Woll- und Schmierläuse
Je nach Läuseart und Einsatzort können Florfliegenlarven, bestimmte Marienkäferarten oder spezialisierte Schlupfwespen verwendet werden.
Gegen Blattläuse
Je nach Blattlausart und Kultur eignen sich beispielsweise:
Florfliegenlarven, Marienkäferlarven, räuberische Gallmücken, Schlupfwespen, bestimmte Raubwanzen
Gegen Dickmaulrüssler
Bestimmte Nematodenarten können gegen Larven des Dickmaulrüsslers eingesetzt werden. Für ausgewachsene Käfer sind andere Maßnahmen erforderlich.
Nützlinge im Garten unterstützen
Die folgenden Maßnahmen können die Lebensbedingungen verschiedener Gartentiere verbessern:
Unterschiedliche Pflanzen auswählen
Eine Kombination verschiedener Pflanzenarten und Blühzeiten kann über einen längeren Zeitraum Blüten sowie unterschiedliche Strukturen bieten.
Bevorzuge bei der Auswahl Pflanzen, deren Blüten für die jeweils angesprochenen Insekten zugänglich sind und Pollen oder Nektar anbieten.
Rückzugsmöglichkeiten erhalten
Laub, trockene Pflanzenstängel, Totholz, dichte Gehölze oder Steinhaufen können verschiedenen Tierarten Schutz bieten.
Lasse entsprechende Bereiche nur dort bestehen, wo sie keine Wege blockieren, keine Verletzungsgefahr darstellen und keine unerwünschten Schäden am Gebäude verursachen.
Insektennisthilfen richtig auswählen
Eine Nisthilfe kann einzelnen Arten geeignete Nistplätze anbieten. Sie ersetzt jedoch keinen abwechslungsreich gestalteten Lebensraum und kein geeignetes Nahrungsangebot.
Achte auf:
- saubere Bohrungen ohne Splitter
- ausreichend tiefe Nistgänge
- trockenes und unbehandeltes Material
- Schutz vor anhaltender Nässe
- stabile Befestigung
- eine zur Zielart passende Konstruktion
Nicht jede als „Insektenhotel“ verkaufte Konstruktion wird tatsächlich angenommen.
Wasser anbieten
Flache Wasserstellen können Vögeln oder Insekten Wasser bieten. Verwende einen sicheren, flachen Zugang und gegebenenfalls Steine als Landeplätze.
Reinige die Gefäße regelmäßig und erneuere das Wasser, damit sich möglichst wenige Krankheitserreger oder Stechmücken entwickeln.
Pflanzen bedarfsgerecht pflegen
Gut versorgte Pflanzen sind nicht automatisch frei von Krankheiten oder Schädlingen. Ein geeigneter Standort, eine angepasste Bewässerung und eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung können jedoch die Entwicklung der Pflanzen unterstützen.
Achte auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanzenart und vermeide sowohl anhaltende Trockenheit als auch Staunässe.
Befall regelmäßig kontrollieren
Kontrolliere Blätter, Triebe und Blüten regelmäßig. Ein beginnender Befall lässt sich häufig leichter begrenzen als ein weit fortgeschrittener.
Berücksichtige dabei, dass sich auch Eier, Larven oder Puppen von Nützlingen auf den Pflanzen befinden können.